Zurück in Deutschland

Es kommt mir vor, als wäre ich einige Wochen weg gewesen, soviel habe ich erlebt. Und so ganz spurlos sind meine Wege durch einige Townships Südafrikas nicht an mir vorbei gegangen. Ich wurde wieder in meinem Wunsch bestärkt, dass jeder, nicht nur Menschen wie Tim Walker in Südafrika, Hans Keller in Nepal oder Helmut Wagner in Uganda, tiefsten Respekt und Hochachtung verdient hat, der über den eigenen Tellerrand schaut und seine Insel zumindest ab und an verlässt – aus Überzeugung, nicht aus gesellschaftlichem Zwang heraus. Niemand muss seine Zelte abbrechen und ganz darin aufgehen, anderen zu helfen. Doch fast jeder hat die Möglichkeit bewusster zu leben, mit Blick auf seine Mitmenschen, auf die Umwelt sowie auf sich selbst und die eigenen Einstellungen und Meinungen. Dort, wo Egoismus nicht immer an erster Stelle steht, kann ein faires Leben entstehen.

Diese Werte wünsche ich mir als verbindendes Element aller Menschen dieser Erde und als Motor für die Arbeit des Teams der PATRIZIA KinderHaus-Stiftung.

In diesem Sinne: Auf in den Frühling 🙂

An dieser Stelle möchte ich mich außerdem im Namen der PATRIZIA KinderHaus-Stiftung bei allen von Herzen für die tolle Arbeit bedanken, vor allem bei:

Leslie Koch, Victoria von Gaudecker, Prof. Arno Lederer und Lena, Andreas, Hannes, Julia, Marlene, Nicolas, Jonathan, Christian, Christa, Lisa, Britta, Sarah, Clemens, Franziska, Kristina, Christian, Anouk, Dirk, Janina, Valentin, Heiner, Oliver, Alicia und Veronique

sowie bei den Helfern aus Grabouw: Eugene, Flip, Mervin Roland, Gurdine, Whensley und Mitch.

Vielen Dank, dass ihr dieses schöne Haus gebaut habt!

Love & Regards,

sign_Stefanie

Einige Impressionen der neu errichteten BauwerkeEröffnung PATRIZIA KinderHausHaus

Fotos: Kristina Egbers


Juchu, das neue KinderHaus ist fertig. Der Kleine führt mich einmal herum.

Ivan zeigt uns das neue KinderHaus

Bilder aus dem Township „Iraq“
Township

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Der Running Pie und seine Folgen

Mein Tag heute ist etwas ungünstig gestartet. Memo an mich*:

  1. Sämtliche Telefonnummern von wichtigen Kontaktpersonen notieren**
  2. Nicht davon ausgehen, dass es überall auf der Welt möglich ist, ein Taxi zu ordern
  3. Klare Kommunikation***
  4. Im Zweifelsfall: Ein Auto leihen, wenn man mobil sein muss – auch in Südafrika 😎

Wie dem auch sei: Tim und Victoria hatten glücklicherweise die Idee, mich im Hotel in Elgin abzuholen, und nicht darauf zu warten, dass ich irgendwann komme 🙂 Danke. Wir machten uns also heute Morgen gegen 9:30 Uhr auf den Weg zur Kinderkrippe, die wir am Freitag besucht hatten. Ich bin sehr sehr froh, dass die PATRIZIAner vergangenen Montag so fleißig Geld für die Kinder in Südafrika gespendet haben, so war es uns möglich, für diese Kinderkrippe eine große Decke für die Babys, einen kleinen Tisch und acht Stühle für die Kleinen, einige Babyfläschchen, vier große Packungen Trockenmilch zum Anrühren (mit allen wichtigen Vitaminen …), zwei Töpfchen und eine Art Wippe für diese Krippe zu kaufen. Diese Sachen haben wir zur Tagesmutter in die Krippe gebracht. Nun haben die Kids die Möglichkeit auch mal draußen zu sitzen. Und ich glaube, es hat ihnen gefallen.

Kinder im Township "Iraq"

Ehrlich gesagt war es gar nicht so einfach, etwas Sinnvolles zu finden. Die Kinder im neuen KinderHaus sind alle 2 – 5 Jahre alt, und gehen noch nicht zur Schule. Sie werden durch Thembalitsha außerdem prima versorgt (wäre es anders, wäre irgendwas verkehrt). Wir wollten dann einen großen Esstisch mit Stühlen für das neue Haus besorgen, jedoch sind die Lebenshaltungskosten und die Kosten für Möbel hier in etwa genauso hoch wie in Deutschland (was die Situation der Menschen, die teilweise nur 8€ am Tag verdienen natürlich immens verschärft!) und weit und breit gibt es kein schwedisches Möbelhaus. Dieses Vorhaben ließen wir also nach dem Besuch dreier Möbelhäuser fallen. Der wichtigste Punkt ist jedoch der: Wie fühlt sich jemand, der in einer Wellblechhütte wohnt und sein Leben trotz dieser widrigen Umstände gut managed, wenn dann einer dieser rich white people mit seinem Geld ankommt? Es ist als würde man sich zu jemanden hinab beugen. Das wollte ich nicht. Ich habe großen Respekt vor all‘ diesen Überlebenskünstlern und sie sollten mich nicht als reiche weiße Frau wahrnehmen, die sich toll fühlt, wenn sie mit etwas Geld im Township um sich wirft.

Dennoch denke ich, dass wir einen guten Weg gefunden haben. Die Bilder sprechen für sich. Der Rest des Running Pie-Geldes wird dann genutzt, wenn die Kinderzimmer im neuen Haus alle hergerichtet werden und alle Kinder einziehen können. Ich werde berichten, sobald Tim mir Fotos sendet.

Krippe im Township "Iraq"

Hier ist es seit Tagen sehr sehr windig, was die Internetverbindung nicht gerade verbessert. Spätestens, wenn ich zurück in Deutschland bin, und alle Fotos sortiert habe, wird es viel mehr Eindrücke von vor Ort geben.

Kind regards,

sign_Stefanie

 

 

* Manchmal weiß ich auch nicht, wo ich meinen Kopf habe.
** D.h. nicht darauf verlassen, dass man die eMails abrufen kann, in denen die Nummern notiert sind.
*** Vor allem, wenn jeder weiß, dass man Kommunikationspsychologie studiert hat.

And we flow

Hier ist einiges im Fluss, nicht nur die Menschenmengen, die vor allem Samstags die Straßen des Townships bunt bevölkern. Gestern liefen noch einmal alle Bohrmaschinen heiß und alle Studenten hier vor Ort packten ihre letzten Energiereserven aus, um das Projekt „Ukuqala 3“ und die Sanitärpavillions bei „Ukuqala 2“ fertigzustellen. Dort wo morgens die Eröffnung noch schier unmöglich erschien, hingen Nachmittags bereits Bilder an der Wand. Überall wuselte es, hier und da Freude, hier und da Erschöpfung und dann waren da auch noch die rosafarbenen Lampen zu bändigen – es machte einfach nicht „Klick“.

Doch gegen Abend machte es an ziemlich vielen Stellen „Klick“ und es war geschafft. Alle trafen sich im neuen Haus um auf diese tolle Leistung anzustoßen. Und dem, dem Reden mit vielen „Dankeschöns“ zu langweilig sind, empfehle ich, nach Afrika zu kommen. Nach jedem Dankeschön folgt hier ein tobender Applaus, ausgelassener Freude folgt Rührung. Und auch mir standen mehrmals die Tränen in den Augen. Es war eine ergreifende Eröffnungsfeier, mittendrin die super gut gelaunten Workers aus Grabouw, die einen ziemlich überraschen können. Wer rechnet schon damit, das ein recht kleiner 17 Jahre alter Junge sich die Gitarre schnappt und ein Lied zum Besten gibt? Oder das sie in Tränen ausbrechen, weil sie sich von den Studenten verabschieden müssen? Gestandene junge Männer aus Grabouw. Amazing!

Und: Wer Gospel mag, wird die Housemoms hier im Village lieben. Schon tagsüber schallte ihr Gesang durch die Räume und rundete Abends schließlich alle Worte und alle Umarmungen ab. Prosit!

Die Kids hatten sich schon längst ihre Zimmer ausgesucht und freuen sich darauf, endlich einziehen zu können. Gestern Nacht jedoch weihten erst einmal die Studenten die Räume ein – vielen vielen Dank für eure tolle Arbeit und für dieses tolle KinderHaus!

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Nun erst einmal Licht aus.

Kind regards,

sign_Stefanie

Full of love

Das erste Wort, dass mir in den Sinn kommt, um diesen heutigen Tag zu beschreiben ist „Wow“. Ein absolut beeindrucktes aber auch sehr nachdenkliches „Wow“. Es scheint nicht einfach zu sein, die Komplexität Südafrikas mit seinen zwei Gesichtern zu verstehen. Ich habe gestern die wundervollen Seiten gesehen: Menschen, die mir freundlich und mit einem echten und warmen Lachen im Gesicht zuwinkten, wunderschöne Meeresbuchten – ein scheinbar freies und leuchtendes Kapstadt. Und in dieser so perfekten Welt erscheint das, was ich nun heute gesehen habe vollkommen deplatziert.

Richtet man seinen Blick beim Überqueren der Landstraße von Kapstadt in Richtung Grabouw starr gerade aus, kann das perfekt gemalte Bild der heilen Welt aufrecht erhalten werden. Sonne, Berge und das Meer. Ein Blick nach Links oder Rechts malt ein anderes Bild: Kilometerlang reiht sich eine Wellblechhütte an die andere, blau, grün, grau, Müll. Provisorisch errichtete Strommasten, die sogenannten „Spiders“, hängen wie ein Netz über den Dächern der Townships, Glasscherben im Sand reflektieren die Sonnenstrahlen, und mittendrin die Kinder. Doch nur 20 Minuten später ist sie wieder da, die heile Welt. Riesige Shopping-Malls in kleinen Städten zwischen langezogenen unbelebten Landstrichen erinnern hier eher an Szenen aus „Die Brücke am Fluss“, vergessen die Kinder am Straßenrand? Nicht vergessen sondern ausgesperrt lassen die Schilder „Armed Response“ vermuten, die hier an jeder von Stacheldraht umzäunten Villa zu sehen sind. Wow, what’s wrong here?

Ich war sehr froh, endlich das Village of Hope zu erreichen, eine Insel die mich in meinen Gedanken aufgefangen hat und voll von jungen Menschen ist, die bis in die Nacht hinein werkeln, hämmern und sägen um für Kinder aus eben jenen Townships ein vorübergehendes sicheres Zuhause zu schaffen. Wow!

Und dann kam noch ein „Wow“: Ich habe Tim Walker von Thembalitsha kennengelernt und bin einfach nur beeindruckt. Es würde den Rahmen dieses Blogs sprengen, über all‘ die Projekte im Township zu berichten, die Tim uns gezeigt hat. Dennoch soll zumindest ein Teil der großartigen Arbeit hier Platz finden.

Mit Tim unterwegs in Grabouw

Gegen Mittag machten wir uns in einer kleinen Gruppe auf den Weg nach Grabouw. Tim hat eine Kooperation mit einem nahe gelegenen Lokal aufgebaut: Jeden Freitag holt er hier einen großen Topf Suppe und verteilt diese an Kinder im Township. Nachdem wir die Suppe in Töpfe umgefüllt und eingeladen haben, fuhren wir zur ersten Station, einem Kindergarten im Township. Dort wurden wir herzlich von einer Gruppe Frauen empfangen. Mir schossen die Tränen in die Augen, als die Gruppe zusammen mit Tim zu beten begann und sich für die Gabe bedankte. Es war ein Moment full of love und es dauerte nicht lange, bis all‘ die Kinder mit ihren Tupperdosen, leeren Margarineschachteln oder kleinen Plastikschalen kamen und sich zum Essen anstellten. Thank you Tim for your great great work.

Das Haus einer Tagesmutter in der glühenden Hitze am Fuße eines Berges gelegen, war unser nächster Stopp. Hier gibt es keine Spiders, kein fließend Wasser, keine sanitären Anlagen. Die Wellblechhütte besteht aus zwei kleinen Räumen und einer Mini-„Küche“. Auf dem Boden hat die Tagesmutter Decken ausgelegt, die Wimpelfahne an der Decke ist freundlich, ein kleines Mädchen hört nicht auf zu weinen und ich kann es kaum realisieren, dass auf diesem Boden acht Babys liegen und schlafen. Das Dach besteht aus Pappe, Ästen und Wellblech. Wir füllen die Suppe in einen Topf um, fragen, ob alles soweit in Ordnung ist und gehen wieder. Such a hard life.

Und trotz all‘ dieser Umstände sieht man nur lachende Gesichter, wenn Tim an den Hütten im Township vorbeifährt und hier und da einige Kids mitnimmt, um ihnen den schweren Weg durch die Mittagssonne etwas abzukürzen. Zwei der Jungs tragen einen riesigen Kanister Öl durch die Gegend. Tim erklärt uns, dass die beiden das Öl an der Tanstelle holen und den langen Weg vom Tal den Berg hinauf laufen um ein paar Rand zu verdienen. Die zwei sind sichtlich froh, das Tim sie mitnimmt.

Und überall am Straßenrand warten nun die Kinder auf die Suppe, die Tim ihnen bringt. Leider ist bald die letzte Kelle ausgegeben und einige Kinder gehen leer aus. „We can transport 2000 Liter of the soup and it wouldn’t be enough“ erklärt er. Und alles was wir nun tun können ist, den Kindern zurück zu winken und zu hoffen, das sie ihren Hunger heute trotzdem irgendwie stillen können.

Wir waren insgesamt zwei Stunden unterwegs. Zwei Stunden die für Tim kaum ausreichten um uns die Geschichte Grabouws, die Probleme, die Versuche der Regierung einige dieser Probleme zu lösen, die Trennung der Bevölkerungsgruppen und so viel mehr zu erklären. Ich war richtig froh, nach unserer Rückkehr Hannes beim zurecht sägen einiger Bretter etwas helfen zu können und schließlich mit zwei der Kinder auf dem Trampolin herum zu springen. Warum auch nicht? Die zwei Kinder wurden vom Jugendamt in einem vollkommen verwahrlosten Zustand aufgegriffen und ins Village gebracht. Nichts ist schöner, als zu sehen, wie diese Kinder dann mächtig darüber lachen können, gemeinsam mit „den Großen“ auf einem Trampolin herumzuspringen.

Just „Wow!“.

Regards,

sign_Stefanie

 

 

 

 

PS: Aufgrund einer aktuell sehr mageren Internetverbindung, werde ich Fotos nachreichen.