Hinter den Kulissen 

Wenn man mit dem Pikipiki durch die Straßen der kleineren Städte fährt, sieht man jede Menge bunter Häuser, Verkaufsstände, Schneidereien, Autowerkstätten, „Möbelläden“ und ganz viele Menschen und Gewusel. Jedesmal frage ich mich, wie es innen drin, in den Häusern der Menschen, so aussieht. Gestern wurde diese Neugier gestillt.

Zu Besuch bei Peter

Wie ich bereits schrieb, hat Peter im PATRIZIA KinderHaus gewohnt und am Nelson Mandela Educational Center eine Ausbildung gemacht. Direkt nach seinem Abschluss hat er zunächst als Hausmeister und Techniker im KinderHaus und im NMEC gearbeitet. Er konnte sich so Geld verdienen und ein Zimmer für sich und seine Frau einrichten.

Nach dieser Tätigkeit hat Peter nun immer wieder Gelegenheitsjobs und ist zwischendurch PikiPiki-Fahrer. An Jobs kommt man hier, so hat er berichtet, nur durch Kontakte. Er hat einen festen Freundeskreis, in dem sich alle zu Jobs verhelfen.

Gestern lernten wir Peters Frau und seinen Sohn kennen. Denn Peter ist frisch gebackener Papa:

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Peter mit seiner Familie

Mit seiner Frau, die gerade einkaufen und für uns etwas kochen wollte (das ist Gastfreundschaft!), konnten wir uns nur per Handzeichen unterhalten. Sie ist taubstumm und ich war überrascht, wie gut Peter die Zeichensprache beherrschte. Wir beließen es allerdings bei einem kurzen Besuch und ich freute mich noch über das Strahlen der Nachbarskinder, nachdem ich sie fotografiert und ihnen die Fotos auf dem Display gezeigt hatte 😀

Morgen geht es weiter nach Uganda, dort treffe ich auf Father Charles und bin auf unser KinderHaus gespannt.

Auf bald,

Stefanie Wegner

Aha! – heute etwas trauriges!

Fährt man vom NMEC die Straße noch etwas weiter, gelangt man zu einer der vielen Genozid-Gedenkstätten. In der Kirche von Ntarama wurden im April 1994 mehr als 5000 Menschen ermordet. Die Gebeine, auch Schädel von Babys, Kleidung, Personalausweise mit dem Vermerk „Tutsi“, Rosenkränze – all‘ das, was die Opfer an diesem Tag bei sich trugen – werden dort aufbewahrt.

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Applaus, Applaus

Heute gibt es Daten und Fakten zuerst: Unser PATRIZIA KinderHaus in Ntarama ist nach wie vor solide und vor allem lebendig. Das Haus wird von den Schülern instandgehalten, denn diese lernen ja Berufe im Bereich Technik und Bau. Die Energie wird aus Solaranlagen gewonnen, die der Schule vor einigen Jahren von einem Dritten gespendet wurden. Ehrlich muss man sagen, dass von sechs Solaranlagen aktuell nur drei laufen, was wohl vor allem daran liegt, dass die Anlagen nicht gut gepflegt, d.h. gereinigt wurden, was widerrum daran liegt, das Wasser einfach zu kostbar ist, um es zur Reinigung zu verwenden. Doch das Haus ist mit Energie versorgt. Einige der Lehrerinnen und Lehrer waren selbst mal Schüler und unterrichten jetzt in Elektronik oder Konstruktion. Anhand der guten Laune der Schüler gehe ich außerdem davon aus, dass sich die Jugendlichen wohl fühlen. 🙂

Und so hatten wir – natürlich in der Unterrichtspause – heute viel Spaß und haben zusammen viele Fotos gemacht. Für die witzigsten Motive gab es jedesmal großen Applaus. Ganz vorn dabei war dieses Bild 😉

Ein Dank geht an das Fotografiertalent Dan, der zwischendurch die Spiegelreflex bediente:

Practical exercises

Wie man auf dem Bild oben sieht, haben einige der Students fesche grüne Overalls an. Diese werden aber nur bei praktischen Übungen angezogen. Peter fand das etwas befremdlich: „Als ich da war, gab es das nicht! Nur normale Kleidung!!“ Die praktische Übung war heute das maurern:

Parallel dazu gab es in einer anderen Klasse technischen Unterricht von Brigitte Nyirarugemdo, die übrigens mit Peter damals in einer Klasse war.


Nach dem Austausch aller Facebooknamen und noch einiger Wunschfotos (pssssssst: Dies waren vor allem Fotos von Pärchen 😉 ) gab es ein großes „Bye bye“ und wir schwangen uns wieder auf die Mopeds.

Welches süße Baby wir danach trafen, verrate ich Morgen.

Grüße aus Kigali,

Stefanie Wegner

 

 

Aha!

Während meiner Reisen zu den KinderHäusern bewege ich mich ja gerne außerhalb der Komfortzone fort. Das ist zum Teil natürlich auch dem geschuldet, dass die Projekte nicht gerade in den Touristengegenden sind, zum anderen aber auch meinem Wunsch, die Projekte ganzheitlich kennenzulernen, also auch das Leben drumherum. Das für Einheimische schnellste, unkomplizierteste und günstigste Mittel der Wahl sind neben Bussen die Motorradtaxis, die „PikiPikis“.

In Ruanda besteht dabei Helmpflicht, d.h. die PikiPiki-Fahrer haben immer einen Helm für den Fahrgast an Bord, den man sich dann aufsetzt (dessen Wirkung aber zu bezweifeln ist, er sitzt meist eh zu locker). Auf kleinen Strecken kommt man so für ca. 50ct gut herum. Der Fahrer bleibt auch da, wenn man Erledigungen machen muss. Dann wird die Wartezeit aber auch berechnet. Taxometer gibt es natürlich nicht.

Will man von Ort zu Ort reisen, gibt es für ca. 1 € Tickets für kleinere Schuttle-Busse, die in Ruanda übrigens viel besser erhalten sind, als z.B. in Tansania. Will man dann an einer anderen Stelle als der Hauptstationen aussteigen, klopft man laut ans Fenster und der Fahrer hält an. Wer Gepäck dabei hat, und das haben die Menschen hier oft, darunter auch lebendige Hühner, gibt dies dem Fahrhelfer, der verräumt es von hinten unter die Rückbank. Es gibt einigermaßen fixe Abfahrtszeiten, wobei der Bus letztlich aber dann losfährt, wenn er voll ist.

 

Auf dem Pikipiki in Nyamata , Ruanda

 
 

Ist das ein „U“?

Ja, ich war heute gespannt auf die Eindrücke vom PATRIZIA KinderHaus in Ntarama, Ruanda. Nach einer Stunde Busfahrt ab Kigali, trafen Rudolf Stängle von den Grünhelmen und ich am Busbahnhof auf Peter Nshimyumukiza. Peter ist 28 Jahre alt und begann 2009 seine Ausbildung zum Baukonstrukteur im Nelson Mandela Educational Center. Bis zu seinem Abschluss wohnte er in Zimmer No. 9 im PATRIZIA KinderHaus. Peter spricht sehr gut Englisch und war auf dem Schul- und Wohngelände heute unser Guide und Dolmetscher (siehe Aha!). 

Peter, 28 Jahre

Zunächst begrüßten wir Schuldirektor Pierre Mugabe, alsbald kamen einige Lehrer dazu und amüsierten sich, dass ich ihre Namen weder nachsprechen, noch die durchweg für mich unleserlichen Handschriften lesen konnte (ist das ein „U?“). Na immerhin hatte ich nun ein Stein im Brett und lief mit Peter frei das Gelände ab. Ich bekam einen ersten Eindruck, den ich hier gerne mit ein paar Bildern teile. Außerdem gab es auch wieder einige T – I – A – Erlebnisse: Zum Beispiel wurde das KinderHaus-Gebäude vor einiger Zeit von den Students neu gestrichen… Wer schon einmal sein Wohnzimmer gemalert hat, wird sich vielleicht an die Geduld-erfordernde Aufgabe des Abklebens erinnern. Das ist absolut überbewertet! Wenn da ein Pinselstrich an der Fensterscheibe oder sonst wo landet, dann ist das Afrika-Style! 😉 

Tessa wird Elektrikerin

Die erste Bewohnerin, die ich in ihrem Zimmer antraf, war Tessa. Tessa ist 15 Jahre alt, kommt aus Kigali und hat erst kürzlich ihre Ausbildung zur Elektrikerin begonnen. In 5 Jahren – so sagt sie – ist sie mit dem Lernen fertig. 

Tessa, 15 Jahre

Die Privatsphäre der anderen Schüler habe ich erstmal nicht gestört, aber morgen bin ich ja auch nochmal da. Übrigens, Schach nach Art technische Schule:


Bis Morgen! 

Stefanie Wegner

  
 

Aha!

Die Menschen in Ruanda sprechen Französisch, Englisch und, das hatte ich vorher nicht so recht gewusst, Kinyarwanda. Swahili wird als Fremdsprache gelernt. In diesem Falle für mich schade, denn ein paar Worte Swahili hatte ich mir ja für Ostafrika angeeignet. English sprechen bis jetzt hauptsächlich Kinder und Jugendliche, da das Schulsystem, d.h. die Unterrichtssprache, erst seit ein paar Jahren auf Englisch umgestellt wurde. Das bedeutet: Wenn ich einem PikiPiki-Fahrer erklären möchte, dass ich zum Busbahnhof will, komme ich mit Englisch und Swahili nicht weit (Asche über mein Haupt, denn vom Französisch-Unterricht ist so gut wie nichts hängen geblieben). Deshalb habe ich einen kleinen Zettel mit den Basiswörtern Kinyarwanda in der Hosentasche.

Impressionen

Um morgen nicht alles auf einmal in einen Beitrag zu packen und die Lesezeit der dauergestressten Europäer nicht auf’s unnötigste zu längen, gibt es heute eine kurze Zwischenmeldung und ein paar Impressionen vom „daily-life“ in Ruanda ;-). Die Fotos sind zunächst erstmal wieder vom Display der Kamera abfotografiert – um einen Eindruck zu vermitteln:

Ruanda ist ein Binnenstaat dessen Bruttoinlandsprodukt jährlich steigt, parallel steigt in Ruanda aber auch die Armutsrate. Mehr als 60% leben unterhalb der Armutsgrenze. 90% der Menschen leben von der Landwirtschaft. Soweit ein paar Fakten. Doch Fakten transportieren vermutlich nicht den Staub auf den Waren in den unzähligen Verkaufsständen. Und das statistische Bundesamt zählt auch nicht nach, wieviele Kinder täglich mit einem gelben Kanister zum Brunnen laufen und Wasser holen. Manche Kinder winken mir zu, wenn ich über die staubige Erde laufe. Manche halten die Hand auf und schauen mich mit großen dunklen Augen an.

Das alles klingt traurig und man könnte verzweifeln. Da tut es gut, wenn man ab und an dennoch das Gefühl haben kann, etwas bewirken zu können. Morgen treffen wir Peter, einen ehemaligen Bewohner des PATRIZIA KinderHauses, und fahren nach Ntarama. Peter startete seine Ausbildung am Nelson Mandela Center 2009 und spart derzeit auf ein eigenes Haus. Morgen schreibe ich sicher mehr von ihm.

Für heute (ich blättere wild in meinem Notizbuch und finde die Kinyarwanda-Phrase für „Gute Nacht“ nicht, na dann eben…):

Muramuke (Guten Abend),

Stefanie

 

Aha! 

Am gestrigen Samstag war „Umuganda-Day“ in Ruanda, der Tag der wohltätigen Gemeinschaftsarbeit. Der Umuganda-Day ist von der Regierung angeordnet und findet jeden letzten Samstag im Monat statt. Die Idee dahinter ist meiner Meinung nach ganz klasse: Von 8.00 bis 12.00 Uhr sind die Menschen, vor allem die Jugend, in Ruanda dazu aufgefordert, sich für die Entwicklung des eigenen Landes zu engagieren. Ordnung, Sauberkeit und Infrastruktur stehen dabei im Vordergrund. Alle sollen anpacken und Müll aufsammeln, Bäume pflanzen, Straßen ausbessern oder sich für die Erhaltung der Genozid-Gedenkstätten einsetzen. Bei komplexeren Arbeiten stehen den Menschen Guides zur Seite und helfen mit ihren Fachkenntnissen. Auch Vertreter der Politik packen jeden Monat mit an.

Die Welt ist klein

Wie wahrscheinlich ist es, mit dem Geschäftsführer des Grünhelme e.V.  – Till Gröner – in der kleinen Stadt Muhanga in Ruanda zusammen zu sitzen und festzustellen, dass Prof. Susanne Gampfer von der Hochschule Augsburg, mit der wir aktuell die Renovierung des ersten KinderHauses in Peramiho planen, vor ein paar Tagen ebenso da war und auf der Bank saß, wo ich vorhin saß? Ist mir hier heute so passiert. Wobei der Besuch von Frau Gampfer ebenso spontan und reiner Zufall war. 

Das hat das Wochenende schon einmal mit Witz eingeleitet und ich bin gespannt, wie es weitergeht. Ursprünglich war morgen die Eröffnung eines Multireligionen-Gebethauses auf dem Gelände des hiesigen Gefängnisses geplant, doch die Eröffnung verschiebt sich. Das gibt mir Zeit, mich mit meiner Gastgeberin Eugenie auszutauschen, ehe ich am Sonntag weiter nach Ntarama zum KinderHaus reise. Dort treffe ich dann auch einen ehemaligen Schüler und Bewohner unseres KinderHauses.

Ich werde berichten!

Bis dahin muss ich Strom sparen, der fällt nämlich mehr aus, als er da ist, wie auch fließend Wasser. Dafür gibt es eine Internetverbindung 😉

Grüße aus Ruanda,
Stefanie Wegner, die jetzt unter jeden Artikel die Rubrik „Aha!“ einführt:

Aha!
Man darf keine Plastiktüten nach Ruanda bringen und im Supermarkt werden mur Papiertüten angeboten – interessant, nicht wahr?