Zurück aus Peru – Ein Nachbericht von der Eröffnung des PATRIZIA KinderHauses

Wieder zurück aus Peru ist für mich ein Gedanke nachhaltig und unumstößlich: Wir haben wieder einmal geholfen! Unser neues PATRIZIA KinderHaus ermöglicht den Kindern in Sondoveni und den umliegenden Dörfern, auch nach der sechsten Klasse weiter zur Schule gehen zu können und so vielleicht am Ende der elften Klasse den Schritt in eine Berufsausbildung zu schaffen. Jetzt liegt es an den Bewohnern vor Ort, an den Eltern, an den Lehrern, an den Kindern, diese Chance zu nutzen und das KinderHaus, die neue Schule, mit Leben zu füllen.

Die Ausgangsbedingungen sind dabei alles andere als einfach. Die Familien in den abgelegenen Regenwald-Dörfern bestreiten ihren Lebensunterhalt zumeist durch den Kaffee-Anbau und erwirtschaften durch den Verkauf der Ernte, je nach Qualität, einen Lebensunterhalt von durchschnittlich 300 Soles, das entspricht etwa 77,50 €, im Monat. Zum Vergleich: Eine Avocado kostet ca. 1 Euro, eine Packung Cracker ca. 30 Cent, das Schulgeld für ein Kind liegt pro Jahr bei ca. 13 Euro, ein Paket mit Schulheften, Stiften und Co. kostet ca. 18 Euro.

Auch die äußeren Bedingungen, wie die Tatsache, dass es kein fließend Wasser und keine Elektrizität gibt, sind für uns als Europäer kaum vorstellbar. Doch kleinere und größere Erfolgsgeschichten von jungen Menschen, die trotz all‘ dieser Schwierigkeiten gute Ergebnisse in den Aufnahmeprüfungen der Berufsschulen erzielen, zeigen, dass Projekte wie dieses sinnvoll sind.

Das PATRIZIA KinderHaus bietet neben dem Klassenraum einen Mehrzweckraum, der ebenso geteilt und für zwei Unterrichtsklassen oder für andere Zwecke genutzt werden kann, sowie einen Bibliotheksbereich, Toiletten und Duschen.

Der Unterricht beginnt jetzt im April, die bestehende Primär- und die neue Sekundärschule (PATRIZIA KinderHaus) werden aktuell von 135 Kindern besucht. Die Sekundar-Lehrerin wohnt vor Ort und unterrichtet alle Fächer von Biologie über Mathematik bis hin zur Agrikultur. Ich habe sie kennen gelernt und weiß: Sie wird ihr bestes geben, die Kinder auf die Aufnahmeprüfungen vorzubereiten.

Die Bibliothek wird ebenso Dreh- und Angelpunkt sein. Schulbücher, die oft per Sachspenden in die Dörfer gebracht werden, können hier für alle Kinder zugänglich gemacht werden. Bücher haben für die peruanischen Kinder, die ja fernab westlicher Medienüberflutung leben, einen hohen Stellenwert, sodass die Bibliothek ein wahrer „Glücklichmacher“ im neuen Haus ist.

Und während ich diese Zeilen schreibe, sehe ich das Leuchten in den Augen von Gina, den Studenten der Uni Stuttgart und natürlich den Kindern vor Ort. Wir haben geholfen, konkret, vor Ort und mit ganz viel Zuspruch.

Daher möchte ich mich an dieser Stelle im Namen der PATRIZIA KinderHaus-Stiftung bei allen Unterstützern bedanken! Nur durch die Hilfe unserer Förderer sind Projekte wie dieses möglich. Daher: Pasonki – das heißt “Danke” in der Sprache der Asháninka, dem indigenen Völkerstamm im östlichen Peru.

Ein ganz großer Dank gilt vor allem auch den Studenten der Universität Stuttgart, die nahezu Unmögliches möglich gemacht haben, sowie an unseren Projektpartner Creciendo, dessen Team sich für die Menschen im Regenwald Perus mit viel Herz und Energie einsetzt.

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Der Running Pie und seine Folgen – Klappe die Dritte

Mit etwas Verzögerung freue ich mich heute berichten zu dürfen, wie wir das Geld vom Running Pie verwendet haben. Um unseren Projektpartner Creciendo und dessen Projekte besser kennenzulernen, starteten wir, d.h. das Team von Creciendo, die zwei Kamera-Männer, zwei Journalisten und ich vergangenen Donnerstag unseren Dschungeltrip. Im Gepäck hatten wie ausreichend Schulpakete für eine Schule im ökologisch organisierten Pueblo Joven Pitocuna und für die neue Schule in Sondoveni dabei. Diese und noch mehr Taschen mit Schulheften, Stiften usw. konnten durch die Einnahmen vom Running Pie finanziert werden – herzlichen Dank an alle Kuchenspender, Kuchenesser und an das Helferteam!

Das Schuljahr in Peru beginnt offiziell im März. Doch da im März auch Erntezeit ist, werden die Kinder für die Feldarbeit in Beschlag genommen, sodass der Unterricht tatsächlich erst im April beginnt. Daher war das Dorf zunächst wie ausgestorben, als wir dort eintrafen. Doch schon wenige Momente später – ich inspizierte derweil das Öko-WC … (Foto reiche ich nach 8) ) – trudelten alle ein. Erstaunlich, mit wieviel Energie die Kinder durch das grüne Gras rannten, obwohl sie den ganzen Vormittag bei de Ernte geholfen haben. Ehe sich alle im Klassenzimmer trafen, wuschen sich die Zwerge mit Seife die Hände. Ulli erklärte mir, dass dieses Händewaschen nicht selbstverständlich ist. Die Tatsache, dass dies jetzt so geschieht, ist das Ergebnis intensiver Aufklärungsarbeit.

Im Klassenzimmer angekommen wurden alle begrüßt und u.A. auch meine Wenigkeit vorgestellt. Und dann wurden die Pakete verteilt. Es ist unglaublich schön wie die Kinder, die vorher etwas ernst schauten, zu strahlen anfangen, nachdem sie ihr Paket erhalten haben. Ich konnte gar nicht soviel fotografieren, wie da um die Wette gestrahlt wurde. Hier ein kleiner Eindruck:

Zu sehen ist auch die traditionelle Kleidung. Die während des anschließenden Fußballspiels dann irgendwann ausgezogen werden durfte. Kaum, dass die Erlaubnis gegeben wurde, schmissen die Kleinen die Kleidung fast synchron auf den Rasen neben dem Spielfeld. Das war sehr witzig.

Die brütend heiße Sonne strahlte auf das Dorf, während die Kids dem Ball hinterher rannten. Am Ende sprangen ein paar von ihnen in den „See“ des Dorfes. Eine rotbraune Brühe. Das liegt daran, dass eben der Grund des Sees aus rotbrauner Erde besteht…

Bevor wir losfuhren bekamen wir Frauen noch ein herzensliebes Geschenk von einer der Mütter. In geduldiger Handarbeit stellt sie Ketten aus Naturmateralien her. Jede von uns erhielt eine. Toll!

Es geht weiter…

Ich bin nun seit heute wieder in Deutschland, gesundheitlich seit ein paar Tagen leicht angeschlagen, weshalb ich den Blog nicht adäquat weiterführen konnte. Es gibt aber noch einiges zu erzählen, sodass es sich lohnt, kommende Woche hier noch einmal reinzuschauen. Gina und alle um mich herum mussten mir nämlich ganz schön viele Fragen beantworten… 🙂

Viele Grüße,
Stefanie

Die Flasche ist zerschlagen

Am Sonntag wurde das neue PATRIZIA KinderHaus seiner Bestimmung und damit in die verantwortungsvollen Hände unseres Projektpartners Creciendo übergeben. Wir trafen gegen Mittag in Sondoveni ein, viele Familien und Besucher waren bereits dort. Es wurde auch noch fleißig an der Fassade und in den Sanitärräumen gewerkelt.

Am frühen Nachmittag öffnete dann nicht nur das Haus, sondern auch der Himmel wieder seine Pforten und es gab einen kräftigen Schauer. Wie gut, dass das Palmendach nun komplett mit den Palmenwedeln eingedeckt war, so blieb die große Mensa, in der sich alle zur feierlichen Eröffnung trafen, weitestgehend trocken.

Der Bürgermeister hielt eine Ansprache und drückte seinen großen Dank aus. Reihum meldeten sich nach ihm die Leiterin der Schule, Norma, die Projektleiterin von Seiten der deutschen Studenten, Hanna, sowie Marianne, Leiterin der peruanischen Studentengruppe und noch andere Vertreter zu Wort. Beeindruckend war die Rede mit anschließendem Tanz und Gesang vom Sprecher der Bewohner Sondovenis. Er trat in traditioneller Kleidung auf und hat eine sehr eindringliche Art zu sprechen. Auch von den Kindern gab es Darbietungen, z.B. einen traditionellen Tanz, begleitet von Musik.

Ein Blick in die Gesichter aller Kinder und Eltern zeigt, dass das Projekt durchgehend positiv aufgenommen wird. Im April beginnt nun das neue Schuljahr. Die Schule wird nicht nur von den Kindern Sondovenis, sondern auch von denen aus dem 2,5 km entfernten Dorf Rio Negreso, das wir am Freitag besucht hatten.

Extrem!

Mein persönliches Resümee aus den Erzählungen und Erlebnissen der letzten Tage lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: extrem!

– extrem viel Motivation und Engagement bei den deutschen und peruanischen Studenten, bei den Projektverantwortlichen und bei den Dorfbewohnern

– extreme Bedingungen im peruanischen Regenwald, die verdammt viel Mut und Ausdauer erforderten

– extrem viel Hilfe: die neue Sekundärschule für die Klassen 7 bis 11 bietet allen Kindern der im Umkreis liegenden Dörfer die Möglichkeit, ihre Schulausbildung nach der 6. Klasse fortführen zu können

– extrem viel Armut: in Sondoveni leben die Menschen ohne Elektrizität. Sie ernähren sich hauptsächlich von Yuca (Maniok), weshalb die Ernährung sehr einseitig ist. Und so sah ich hier Kinder mit Wasserbäuchen. Gina hat mir erklärt, dass es durchaus möglich wäre, sich vielfältiger zu ernähren. Der Regenwald bietet dafür alle Möglichkeiten. Doch es fehlt das Wissen dazu, das vielleicht und hoffentlich nach und nach durch die verbesserte Ausbildung und damit durch die persönliche Weiterentwicklung erworben wird.

Nach dem offiziellen Teil gab es ein klassisches Gericht: In einer mit Bananenblättern ausgelegten Grube werden Yuca, Bohnen und Hühnerfleisch abwechselnd mit Bananenblättern geschichtet und 2 Stunden lang gegart. Die Grube wird dann feierlich geöffnet und das Essen eigentlich traditionell auf Bananenblättern serviert. In unserem Falle jedoch auf Tellern zusammen mit einem Gurken-Tomatensalat und frischer Avocado.

Ich habe auf’s Hühnerfleisch verzichtet, Yuca und Bohnen aber sehr genossen. Wann kommt man schon in den Genuss, vom Ashaninka-Volk bekocht zu werden??? Einfach toll!!!

Hier noch ganz viele Impressionen und Eindrücke von der Eröffnungsfeier, und Hope war natürlich auch dabei. Nicht nur materiell…

Viele Grüße aus Lima,
Stefanie

Into the Jungle

Das neue PATRIZIA KinderHaus wurde in den letzten sechs Wochen in Sondoveni, einem Ashaninka-Dorf im Regenwald von Peru, errichtet. In erneuter Zusammenarbeit mit der Universität Stuttgart entstand so eine Sekundarschule mit Bibliothek und Klassenraum. Das Projekt wird von der peruanischen Organisation Creciendo betreut.

Das Team von Creciendo und ich besuchten heute die Baustelle und waren absolut fasziniert von dem, was die Studenten zusammen mit den Dorfbewohnern dort geschaffen haben. Und dies unter derart erschwerten Bedingungen, dass zumindest ich längst das Handtuch geworfen hätte.

Moskitos und andere Widrigkeiten

Um nach Sondoveni zu gelangen, startet man ab Satipo zu einer ca. 1 1/2 stündigen Fahrt durch dem Regenwald. Ein Allrad-Antrieb ist dabei unabdingbar. Und was für mich ein Abenteuer ist, kann sehr schnell und vor allem bei Zeitdruck der reinste Nervennerver werden. Die Wege sind schlammig, ein Fluss muss durchquert und mehrere Anhöhen auch bei Nässe überwunden werden. Bei unserer heutigen Fahrt hatten wir bereits Probleme, Sondoveni zu erreichen. Diesen Weg jeden Tag hin und zurück fahren zu müssen, konnten wir uns überhaupt nicht vorstellen, als wir den Mitsubishi mit aller Kraft aus dem Schlammbett schoben…

Doch bei Betreten des Dorfes schlug mein Dreck-Barometer dann endgültig aus und mein Hygiene-Barometer wild um sich… Der Dorfplatz und auch der Bauplatz sind, bedingt durch die Regenzeit, ein einziger Matschsee. Das wäre vielleicht noch zu ertragen (die älteren Semester kennen dieses Matsch-Bade-Feeling wohl noch aus Woodstock-Zeiten 😉 ), doch WC, Dusche und sonstige Einrichtungen, die eigentlich einigermaßen sauber sein sollten, haben eher Autobahnraststätten-Charme. Zudem ist der Moskito-Ansturm gewaltig.

Zwischen Esstisch und Kochstelle schleicht ein Kätzchen herum. Zwar ist mein Herz für Tiere stets offen, doch in diesem armen, zerfledderten, dreckigen und offensichtlich krankem Geschöpf sehe ich vor allem einen Bakterienherd. Die Szene hier vor Ort zeigt mehr als deutlich, dass der Bau der Klassenräume, der sanitären Anlagen und des Mehrzweckraums die Studenten definitiv an ihre Grenzen brachte. Das berichtete mir auch eine der Anpackerinnen. Umso mehr Respekt habe ich vor der unglaublichen Leistung und der beinahe unendlichen Motivation die hier alle mitbringen.

Und während ich innerlich dauerhaft den Kopf schüttelte und mir beinahe durchgängig dachte, dass ich das nie nie niemals packen würde, 6 Wochen lang auf diesem Level zu arbeiten und zu leben, wird mir klar, dass das genauso so der Lebensstandard der Menschen ist, die hier Leben. Bloß, dass es zusätzlich an Essen mangelt…

Morgen wird das KinderHaus seiner Bestimmung übergeben.

Berichte und Fotos gibt es alsbald.

Viele Grüße aus Satipo,
Stefanie